Ein Höhepunkt des Jugendtheaters!
06 09.2008, Thomas Linden, Kölnische Rundschau
Georg zum Kley zeigt „Huck Finn“
„Die Abenteuer von Huckleberry Finn“ waren für Hemingway das wichtigste Leseerlebnis seiner Jugend. Ein Roman mit dem Mark Twain 1884 kritisch auf die Lebensverhältnisse an den Ufern des Mississippi verwies und mit dem er das Lesen bewusst zum Thema machte.
Das Kölner Künstler Theater dramatisierte jetzt den Stoff und zeigte unter der Regie von Georg zum Kley wie aktuell dieses Buch ist. Sind die Zeitungen nicht voll von Meldungen über Kinder, die ihre Eltern verloren haben, von trinkenden Vätern misshandelt werden oder von Flüchtlingen, Schleppern und rechtsradikalen Gewalttätern? Das alles findet Georg zum Kley in Mark Twains Roman, so dass der Ortswechsel an die Ufer des Rheins ganz folgerichtig wirkt.
Die Pflegemutter von „Huck Finn“ (Kevin Herbertz) heißt denn auch Frau Schmitz (Heidrun Grote) und will aus dem eigenwilligen Jungen einen Musterschüler machen. Huck büxt aus und macht sich mit Ana (Evgenia Tarutin) auf den Weg zu einer Insel im Strom. Doch das Paradies findet er nicht, stattdessen trifft er auf eine Biker-Gang, die nicht zufällig an die Männer des Ku-Klux-Klan erinnert.
Wieder einmal erweist sich die umfangreiche Recherche, die man im KKT in die Vorbereitung einer Produktion steckt, als Garant für Glaubwürdigkeit. Das Stück trifft mit seinem Humor wundervoll den Ton der jungen Erwachsenen. Gerade die burlesken Elemente, die mit Verkleidung und komödiantischen Übertreibungen arbeiten, verleihen dem Stück jenen augenzwinkernden Charme, der pädagogische Gutwilligkeit gar nicht erst aufkommen lässt. Ein Höhepunkt des Jugendtheaters auch wegen der famosen Leistung von Heidrun Grote, die mit ihren Rollenwechseln der Inszenierung Temperament und Witz verleiht.



