Galaktisches Vergnügen beim Kindertheater auf „Zwirpellanus“
Außerirdischer mit Schnupfen
Galaktisches Vergnügen beim Kindertheater auf „Zwirpellanus“
Jülich. Aufruhr im Kulturbahnhof. Das Zwirplein ist entführt worden, ein Wobbel der Täter, und einen Schar Kinder schlüpft in die Rolle von Detektiven, die Augustin auf die richtige Spur bringen. Ein lebhaftes Mitmachschauspiel bot das Kölner Künstler Theater mit „Augustin auf Zwirpellanus“. Das Weltraumabenteuer riss die kleinen Besucher mit – da blieb keine Kehle stumm: Kräftig unterstützen sie den Countdown zum Raketenstart, und das Mitfiebern erhitzte die Luft des großen Saals im KuBa. Das galt dem ohne Schutztrichter vom Erfrieren bedrohten Bewohner von Zwirpellanus und Augustin, dem Retter von der Erde. Dieser jagte dem lebendigen Ufo Wobbel erst den gestohlenen Trichter des Zwirpleins und letztlich letzteren wieder ab. Spannung bis zum Schluss erlebten die jungen Theaterbesucher.
Ein Glück war es für die Kleinen, dass der Winzling Zwirplein nur kurze Gastspiele hatte, Denn auch durch die „Vergrößerungsmaschine“ von Niklas (Georg zum Kley), dem Menschenfreund des Puppenjungen Augustin, sah der Zuschauer den Außerirdischen wie durch ein falschherum gehaltenes Fernglas. Angesichts der übrigen „Starbesetzung“ – vor allem auch das farbenfrohe Wobbel-Wesen, das so gerne Hüte trägt – ist das aber „stern-schnuppe“.
Die Entführung eines ganzen Kindersaals ins All gelang mühelos. Puppenspieler zum Kley hielt augenblicklich die Fäden in der Hand. Diese Einmann-Aktion, die durch gekonnte Schlichtheit in Spiel sowie Bühnenbild und –präsenz besticht, ist bewundernswert und herrlich unterhaltend, ohne je einen überflüssigen erzieherischen Anspruch zu stellen. Es geht um Werte: Anteilnahme, Hilfsbereitschaft und ein bisschen mutig sein. Die Kinder sind immer mittendrin:
Suchen durch das Riesenfernrohr nach dem Stern, Lena (5) darf Blumen und Sarah (3) Geschenke bei Augustins Rückkehr übergeben, oder sie werden um Rat gefragt: „Was macht man wenn man erkältet ist?“ Zum Arzt gehen, ins Bett legen, Wadenwickel und Hustentee lauten die Anregungen der Jung-Mediziner im Publikum.
Die Jungwissenschaftler brillieren durch Zwischenrufe: Als Augustin auf Zwipellanus seinen Astronautenanzug auszieht, warnt Laurin (5): „Das geht doch gar nicht. Im Weltall gibt es keine Luft zum Atmen!“ Sitznachbar Merlin (5) ergänzt: „Und keinen Sauerstoff!“ Letztlich geht die Geschichte trotzdem gut aus. Ein galaktisches Vergnügen, das Kinderseelen zu Höhenflügen inspiriert. (tee)
Jülicher Zeitung, Donnerstag 13.02.2003



