Der kleine Häwelmann - Pressestimmen

Kölner Stadtanzeiger vom 22.03.2003, Oliver Cech

Das Fürchten lernen
Storm – Märchen im Kölner Künstler Theater


Christian Schweiger setzt eine Dramatisierung von” Der kleine Häwelmann” gewinnend um.
“Mehr, mehr!” schreit der Häwelmann: Er will in die große Stadt, er will zu den Tieren des Waldes, er will hinauf bis zu den Sternen, da mit alle ihn fahren sehen in seinem Rollenbett. Theodor Storms Figur der “kleine Häwelmann” zählt zu den wenigen echten Klassikern der Kinderliteratur. Wie es den rotzfreche Knirps immer weiter hinauftreibt, wie ihn sein stetes “Mehr, mehr!” schließlich bis vor das Angesicht der Sonne bringt – und da lernt der Häwelmann dann doch noch das Fürchten -, diese Geschichte hat so gar nichts von neunzehntem Jahrhundert, sondern wirkt zeitlos, überzeitlich wie ein Märchen.

Nun, den kleinen Häwelmann kennt man. Wer auch den großen Häwelmann kennen lernen möchte, kann dies jetzt in der Dramatisierung des Storm-Stoffes durch das Kölner Künstler Theater tun. Häwelmann senior ist Investmentberater und für einen Abend mal allein mit seinem Spross. Wie nun der brave Vater zugleich Zinspläne ausrechnet und Häwelmann junior in den Schlaf schaukeln möchte, das birgt schon einige Komik.

Der Sprung von dieser Alltagsebene in Storms Märchen gelingt Regisseur Christian Schweiger erstaunlich mühelos. Als Vater, Sohn, Sonne, Mond, Wetterhahn und Kater Hinze in Personalunion überzeugt Georg zum Kley: schöne Figuren (Monika Seibold), die auf einer geometrisch abstrakten, in Grundfarben gehaltenen Bühne poetisches Leben entfaltet. Allein, der Spaß ist mit einer dreiviertel Stunde Spielzeit kurz geraten. Daher gebührt das letzte Wort dem Häwelmann. “Mehr, mehr!”