Zauberklänge Pressestimmen

… die Kinder werden geradezu verzaubert

akT 2, Die Kölner Theaterzeitung April 09, Maren und Lina Steingross
Ohne Worte, dafür mit ganz viel Stoff

Im Kölner Künstler Theater hatte „Zauberklänge“ Premiere.
Können zweijährige schon ins Theater gehen? Ist eine Theatervorstellung ein Erlebnis, dass sie schon erfassen können? Maren Steingross (37) hat sich mit ihrer Tochter Lina (gerade drei Jahre alt) auf einen Versuch eingelassen.
Kinder sind ehrlich und ungeduldig. Geradezu unbequeme Zuschauer und eine besondere Bewährungsprobe, auch für einen gestandenen Theaterregisseur. Georg zum Kley hat sich davon nicht abschrecken lassen und sich sogar an die Allerkleinsten gewagt. Für Lina ist es der erste Theaterbesuch ihres Lebens. Gemeinsam mit den anderen kleinen Zuschauern taucht sie in eine bunte Welt aus Stoffen und Klängen ein. Das ausdrucksstarke Bühnenbild (Monika Seibold, Adelina Gruszczyk und Ensemble) zeigt eine weiße Wiese mit roten, grünen und blauen Stoffblüten und im Hintergrund einen blaugrün schillernden Berg aus Stoff.
Lina ist kaum zu halten. Sie möchte alles berühren, entdecken, auf ihre Art wahrnehmen. Doch sie wird wie die anderen Kinder gebeten, nicht auf die Bühne zu gehen. Dafür darf sie ganz vorne auf dem Boden sitzen. Nicht auf so einem unbequemen Stuhl, wie ich es vorziehe, nein, sie möchte ganz nah am Geschehen sein. Nur ab und zu wirft sie mir einen Blick zu, ob das alles hier auch mit rechten Dingen zugeht. Vor allem, als sich plötzlich eine Neugierige (Aurélie Thépaut) anschleicht und auf die Bühne geht. „Warum darf die das?“, möchte Lina lautstark und verständlicherweise sofort wissen. Zumal sich die Neugierige jetzt auchnoch den verlockenden Blumen nähert. Lina steckt schon mitten in ihrem ersten Theatererlebnis, ohne es zu merken.
(…) nach und nach werden die Kinder geradezu verzaubert: von kriechenden Schlangen, durch die Luft tanzenden Vögeln oder hüpfenden Kamelen, die allesamt aus den bunten Stoffen geformt werden. Von ulkigen Tiergeräuschen und bekannten Kindermelodien wie „Bruder Jakob“. Von lustigen Bilder- und Farbwelten, die ganz plötzlich wie von Zauberhand entstehen. Da wird die Blumenwiese mit Hilfe von gekonnt eingesetzten Lichteffekten zur abenteuerlichen Unterwasserwelt und die Stofftücher verwandeln sich in rote, blaue und grüne Fische. Und – da sind Kinder manchmal so wechselhaft wie das Wetter – vom anfänglichen Unmut ist keine Spur mehr, sie kichern, halten sich sogar die Bäuche vor Lachen.
Durch Neugierde, Ausprobieren und Entdecken erleben die Kleinen ihre Umwelt. Genau wie es das Stück vormacht. Regisseur Georg zum Kley hat mit viel Feingefühl gezeigt, dass er weiß wo er seine empfindsamen Zuschauer abholen muss. Und so gelingt es ihm, auch die Herzen der Kleinsten zu erreichen.
Auch wenn am Ende hinter dem blaugrün schillernden Berg nur die Cellistin verborgen war und nicht ein Berg voller Süßigkeiten – wie Lina zum Schluss noch hoffte – haben die „Zauberklänge“ die Allerkleinsten verführt. Zum herzhaften Lachen, zu einer verblüffenden Konzentrationsfähigkeit von immerhin einer guten halben Stunde und zu einer kreativen Entdeckungsreise.