Weihnachtsmärchen - Pressestimmen


Die wunderbare Wandlung des Mister Scrooge
„Kölner Künstler-Theater“ zeigt Dickens‘ berühmtes „Weihnachtsmärchen“ in einer eindringlichen Kindertheater-Version im Dürkheimer Haus


VON SIGRID LADWIG. BAD DÜRKHEIM. Das fängt ja gut an: Der Schauspieler schlurft durch den Zuschauersaal und will von den Theaterbesuchern im Dürkheimer Haus die Eintrittskarten gezeigt bekommen. Noch dazu scheint er ziemlich mies drauf zu sein. Oder gehört das zu seiner Rolle? Alle sind gespannt, als das „Kölner Künstler-Theater“ am Donnerstag seine Aufführung „Ein Weihnachtsmärchen“ frei nach Charles Dickens beginnt.

Die jungen Zuschauer merken dem Griesgram auf der Bühne sofort an, wie geizig und habsüchtig sein ganzes Tun und Sinnen ist. Solodarsteller Georg zum Kley überzeugt in der Rolle des reichen Geschäftsmannes Scrooge mit intensivem Spiel. Offensichtlich verdirbt Weihnachten diesem alten Raffzahn gründlich die Laune. Während die Zuschauer erleben, wie er vom weihnachtlichen „Getue“ genervt ist, werden sie bewusst zu Reaktionen herausgefordert. Natürlich kann das aufgeweckte Publikum die dumme Frage, was man denn mit Freunden schon anfangen solle, schlagkräftig beantworten.

Sein Weihnachtsmärchen schrieb Charles Dickens im Jahr 1843. Der Roman entstand also zu einer Zeit, als die Not der Armen in Europa so groß war, dass Menschen vor Hunger starben. Konsequent verfolgte Dickens mit seinen Texten das Ziel, auf gesellschaftliche Missstände aufmerksam zu machen. Auch wenn diese Zeit heute mehr als 150 Jahre zurückliegt, so sind doch viele Inhalte aktuell geblieben.

Die Inszenierung bringt moderne Anspielungen zur Sprache, etwa die Auslassungen des heutigen französischen Präsidenten, der als Innenminister bestimmte Stadtviertel zu „säubern“ versprach. Aus heutiger Zeit könnte auch Scrooges Verhalten gegenüber seinem Mitarbeiter Crachit sein, dem er weder Weihnachtsgeld noch mehr Freizeit geben will. Mit dem Gedanken, einander Freude zu bereiten hat Scrooge also gar nichts am Hut – er trägt übrigens einen beeindruckend großen Zylinder.

Die Inszenierung hält sich in Kleidung und Bühnenbild eng an die Zeit der Textvorlage und zaubert mit düster gehaltener Zimmereinrichtung eine passende Atmosphäre auf die Bühne. Gelungen ist auch die Mischung zwischen Witz, Spannung und Spuk. Die Geister, die den übellaunigen Geizhals warnend aufsuchen, führt Georg zum Kley im behänden Spiel mit Tischfiguren vor. Auch wechseln die Perspektiven: Aus einer Schublade werden zwei Puppen geholt, um in der Rückschau auf die Kindheit eine typische Szene vorzuspielen. Lautlos vor Spannung erleben die kleinen Zuschauer, wie kalt und berechnend Scrooge schon als Junge war. Zum Kley selbst schlüpft wiederum in die dunkle Rolle des Todes mit der Sense. Dabei mischt er Unheimliches mit Spielwitz, sodass die Szenerie nicht zu gruselig wirkt....

Was aber passiert im Laufe der Geschichte mit Scrooge? Die Geister, die ihn so eindringlich vor den Folgen seiner Eigensucht gewarnt haben, hat er verstanden. Wie umgekrempelt reagiert er plötzlich und aus einem fiesen Kerl wird ein gütiger, freundlicher Herr, der gerne von seinem Reichtum abgibt. Das Fingerspitzengefühl, mit dem der Darsteller die Geschichte dieser Wandlung vorführt, lohnen ihm die vielen Zuschauer bis zuletzt mit großer Aufmerksamkeit und schließlich mit begeistertem Applaus.