Unter Menschen 2 - Pressestimmen

„UnterMenschen 2“ im Kölner Künstler Theater
23.10.2008 (jdü) Kölner Stadtanzeiger

„Zu Hause fahren die noch mit viereckigen Rädern aber hier tunen sie ihre Karren und wollen uns damit die Perlen abgraben.“ Andreas’ braune Gesinnung kommt zum Vorschein, sobald er sich in Rage redet; seine Sprache ist direkt – und auch verständlich für Jugendliche. Autor und Regisseur Georg zum Kley hat sie jungen Rechtsradikalen vom Maul abgeschaut. In der Aktualisierung seines in den Neunzigern uraufgeführten Stückes merkt man dem Antihelden rein äußerlich seinen Rassismus nicht mehr an. Wie ein scheinbar anständiger Heranwachsender zum rechten Straftäter werden kann, obwohl er im Urlaub in einem arabischen Land gut Freund war mit einem Einheimischen – diese Entwicklung spielt Kevin Herbertz mit beängstigender Eindringlichkeit. Auch Aydin Isik als Mustafa, jener Freund und spätere Asylsuchende, überzeugt; Vera Passy glänzt im fliegenden Rollenwechsel zwischen Richterin und volksverhetzender Wirtin. Nichtchronologische Szenenfolgen und teilweise Einbeziehung des Publikums regen Zuschauer ab 13 Jahren zum Mitdenken an, viele komödiantische Momente lockern den Stoff gelungen auf.


Wie Hass geschürt wird
30.10.2008, Heribert Rösgen, Kölner Stadtanzeiger

Ein Theaterstück in Ehrenfeld beleuchtet die Hintergründe des Rechtsradikalismus. Die Inszenierung von „UnterMenschen 2“ im Kölner Künstler Theater fordert Jugendliche zur Auseinandersetzung mit dem Fremdenhass auf.
Ehrenfeld – Auf einen gehörigen Knalleffekt müssen die Zuschauer im Kölner Künstler Theater in der Stammstraße gleich zu Beginn de Stückes „UnterMenschen 2“ gefasst sein. Mit einem Anschlag auf eine Anlaufstelle für Asylbewerber beginnt das Stück, das den Rechtsradikalismus zum Thema macht. Insbesondere ging es Autor und Regisseur Georg zum Kley dabei um subtile Einflussnahme rechtspopulistischer Parteien und deren Bestreben, sich einen bürgerlichen Anstrich zu geben.
Erzählt wird die Geschichte des jungen Deutschen Andy (Kevin Herbertz) und des etwa gleichaltrigen Asylbewerbers Mustafa (Aydin Isik) aus einem nicht näher bezeichneten arabischen Land. Beide lernen sich in einem Ferienclub kennen, wo Andy Gast und Mustafa Kellner ist. Sie freunden sich an. Wieder daheim gerät Andy unter Einfluss rechtsextremer Parolen, die bei ihm Hass auf Ausländer schüren. So wird er schließlich – nach persönlichem Frust und reichlich Alkoholkonsum – zum Attentäter.
Zum Kley verbindet geschickt Ausschnitte aus den unterschiedlichen Lebenswegen der Protagonisten. Die Beweggründe Mustafas, seine Heimat zu verlassen, werden dabei ebenso eindrucksvoll wie nachvollziehbar dargestellt wie das Abdriften von Andy in die Radikalität. Ebenfalls mit starken schauspielerischen Leistungen verkörpert Vera Passy die Schwester von Andy, eine Kneipenwirtin, eine Richterin und die Beamtin in der Asyl-Meldestelle.
Die Zielgruppe dieses Stücks sind Schüler ab 13 Jahren. Auf dem Spielplan steht es noch einmal am Freitag, 07. November, 10.00 Uhr. „Ansonsten wird es auf Anfrage kurzfristig aufgenommen“, erklärt Georg zum Kley, der dieses Angebot insbesondere an Schulklassen richtet.


Rechte Rattenfänger
06.11.2008, Hans-Willi Hermans, Kölnische Rundschau

„UnterMenschen 2“: Kölner Künstler Theater spielt engagiert gegen Fremdenfeindlichkeit
Er hat eine Job im Feinkosthandel und kriegt „Zweivier Cash auf die Hand“. Er ist stolz auf seinen 500-Euro-Anzug und wenn er im nichteuropäischen Ausland Urlaub macht, verlässt er auch schon mal das Clubgelände, um sich mit Einheimischen in einer Disco für Muslime zu treffen.
Mittelstandsorientiert und vorsichtig weltoffen ist dieser junge Mann, Andreas Glowasky, zu Beginn des Stückes „UnterMenschen 2“. Dennoch wirft er am Ende einen Molotow-Cocktail auf eine Anlaufstelle für Asylbewerber: Der Biedermann hat sich mit den Brandstiftern eingelassen.
In den neunziger Jahren hatte Georg zum Kley für sein Kölner Künstler Theater das Stück „UnterMenschen“ geschrieben, in dem die Rechtsradikalen noch unschwer an Glatze und Bomberjacke zu erkennen waren. Unter dem Eindruck geänderter Verhältnisse, dem zunehmenden Vordringen fremdenfeindlicher Parolen in die „Mitte der Gesellschaft“ also, hat zum Kley sein Stück neu geschrieben.
„UnterMenschen 2“ zeigt schlüssig, wie die rechten Rattenfänger vorgehen: Alltägliche Konflikte, an denen mehr oder weniger zufällig ausländische Mitbürger beteiligt sind, werden zum Kulturkampf stilisiert, mit Angeboten wie “frei essen und saufen“ werden Jugendliche geködert. Die grölen dann irgendwann auf den Veranstaltungen völlig benebelt die dumpfen Parolen von den angeblichen Sozialschmarotzern mit.
„Untermenschen 2“ funktioniert, weil zum Kley die Gefahr des leblosen Lehrstücks durch eine komplexe Rückblenden-Struktur und wirklichkeitsnahe, oft witzige Dialoge bannt. Das macht es auch Schülern zugänglich. Und die handelnden Personen sind alles andere als bloße Typen: Kevin Herbertz gibt den Andreas Glowasky überzeugend als noch unbeschriebenes Blatt, das leicht in Gefahr gerät, von den Rechten manipuliert zu werden, Vera Passy spielt ihren Part als Nazi-Wirtin Frida so bedrückend realistisch, dass dem Zuschauer der Spaß am gemütvollen kölschen Dialekt im Halse stecken bleibt.
Und das Opfer des Anschlags, Mustafa Aldakark (Aydin Isik), hat zwischendurch Träume, in denen es mit seinem begüterten „Freund“ Glowasky die Rollen tauscht – und ihm gönnerhaft ein Trinkgeld zusteckt.