Maigers Wirsing - Pressestimmen


Theater-Rundschau, Karin Hahn von Essen

Maigers Wirsing” im “Kölner Künstler Theater”,
“Macht doch mal ein Stück darüber, wie der Wirsing in die Dose kommt!”


So oder so ähnlich soll ein Kölner Theaterkritiker die Spieler des Kölner Künstler Theaters vor einiger Zeit aufgefordert haben. Herausgekommen ist keine Lach- und Sachgeschichte “á la Maus”, sondern “Maigers Wirsing”, ein skurriles, witziges liebenswertes Kindertheaterstück, das im Februar unter der Regie von Iris Schleuss uraufgeführt wurde.

Es spielt im Hinterzimmer eines Ladens, der Frau Maiger gehört, einer nicht mehr ganz taufrischen, wohlbeleibten und gutgelaunten Dame (Gisela Nohl). Sie und ihr tollpatschiger Gehilfe Fridolin (Georg zum Kley) sind hier den ganzen Tag meist wortkarg, aber sehr komisch mit dem titelgebenden grünen Gemüse beschäftigt: Kistenweise wird Wirsing aus dem Keller geschleppt, in Dosen eingemacht in Regale gestellt, verkauft, zu Bonbons oder Luftballons verarbeitet und sogar als Tee aufgebrüht, was dem jungen Publikum einige “iihs und “bääh”s entlockt. Selbst als Brotbelag, zum Luftfächeln oder Schweißabtupfen sind Wirsingblätter im Einsatz. Situationskomik, Slapstick und Clownerie beherrschen die Szenen.

Obwohl es keine ‘Handlung” im eigentlichen Sinne gibt, enthält das Stück Spannung und Höhepunkte, weil die schräge Realität der beiden Figuren sich in einigen Szenen mit ihren Träumen und Wachtträumen vermischt. So hat Fridolin einen Traum, in dem der nächstliegende Wirsing zum bedrohlichen, angriffslustigen Monster mutiert Entzückend ist auch die Szene, in der ein kiloschweres Wirsingexemplar allmählich zum Luftballon wird, mit Fridolin zu schäkern anfängt, bis der ihn aus dem Fenster davonschweben läßt, ein Symbol für Fernweh und Freiheit. Auch Frau Maiger hat eine Geschichte: Einige in einem alten Koffer entdeckte Utensilien wecken ihre Erinnerung an eine romantische Begegnung auf einem Schiff, die sie ohne Worte den Zuschauern vorspielt.


Diese leisen, behutsamen Szenen sind anrührend und fesselnd zugleich, sie geben den Figuren eine Dimension, über die Handlungsebene hinaus, in der es ansonsten eher komisch zugeht. Sie geben ihnen Vergangenheit und Zukunft. Gisela Nohl, deren Wandlungsfähigkeit man aus früheren Stücken kennt (“Du bist meine Mutter), beweist als Frau Maiger ihr unglaublich komödiantisches Talent. Wenn sie ihre Nase in ein Wirsingblatt steckt, schnüffelt und dann verzückt mit den Augen rollt, meint man den Duft mit riechen zu können.

Ein Lob verdient auch das phantasievolle stimmige Bühnenbild, auf dem man immer neue Details entdeckt, zum Beispiel das eingerahmte Stillleben an der Wand, auf dem was prangt? Ein prächtiger Wirsing natürlich!

Also INSIDER, klemmt Euch die kleinen Geschwister unter den Arm oder wagt auch ohne Alibikind einen Abstecher ins Kölner Künstler Theater, Ihr werdet auf Eure Kosten kommen. Alles Wirsing, oder was?